„Musketier“ hilft bei Weltmeisterschaft

In Leipzig unterstützt der Fechter Johannes Weigel die Protokollchefin. Der Abiturient aus Marktredwitz führt auch VIPs durch die Arena.

Ein Glück, dass Johannes Weigel seinen Anzug dabei hatte, weil er aus der Arena in Leipzig direkt zum Abschlusskonzert des Otto-Hahn-Gymnasiums in Marktredwitz fahren wollte. Denn ohne diesen Anzug hätte der 18-jährige bei der Fechtweltmeisteschaft keine Blitzkarriere vom Kamera-Helfer zum „Head of Protokoll“ gemacht.

Der Abiturient, seit sechs Jahren Mitglied der Marktredwitzer „Musketiere“ und oberfränkischer Meister in seiner Altersklasse, bewarb sich als freiwilliger Helfer für die Fechtweltmeisterschaft Ende Juli in Leipzig. 118 Nationen waren hier vertreten. Weigel bekamm einen Job als Kamera-Helfer zugeteilt. Nach einer einzigen Arbeitsstunde landete er bereits bei der Protokollchefin. Zu Weigels Aufgaben zählte, VIPs zu empfangen sowie sie in die Lounge und in den Zeremonie-Raum zu führen. Dabei lernte der Abiturient den Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, kennen, zu dem die französische Sportministerin Laura Flessel, den Generalkonsul der USA in Leipzig, Timothy Eydelnant, sowie etliche Vertreter des Internationalen Fedhtverbandes.

Smalltalk auf Englisch gehörte ebenso zu Weigels Aufgaben wie organisatorische Absprachen. Es galt, mit den Assistenten der VIPs zu klären, wann ihre prominenten Chefs Zeit fänden, Sportlern Medaillen zu überreichen. Zudem füllte Weigel Urkunden aus und überprüfte Plaketten – all das getaktet nach einem straffen Zeitplan. Denn nach dem letzten Wettkampf des Tages musste die Halle ruckzuck für die Siegerehrungen umgebaut werden. Weigel checkte, ob alles nach Plan lief: Waren die Sportler rechtzeitig vom Doping zurück? Wussten die Promis, wo die Zeremonie stattfand?  Liegen die Medaillen griffbereit? Standen die Mädchen mit den Blumen Spalier? Wussten Hallensprecher und Kamerateams, wann es wo losging?

Weigel freute sich darüber, dass die Protokollchefin ihn so rasch zu ihrer rechten Hand befördert hatte. „Head of Protokoll“ stand auf seinem Ausweis, der ihm Zugang zum gesamten Arena-Gelände in Leipzig verschaffte. Doch weil sein Aufgabengebiet so umfassend war, konnte der junge Mann selbst kaum einen Fechtkampf verfolgen – obwohl er täglich von 8 bis 21 Uhr in der Arena war. „Die Arbeit hat mir viel Spaß gemacht“, erzählt der Abiturient, der vorher nur in der evangelischen Jugendarbeit und bei der Vorbereitung eines Musicals am OGH organisatorische Erfahrungen gesammelt hatte.

Beim Abschied fragt die Protokollchefin den 18-Jährigen, ob er sie künftig öfter unterstützen möchte. Zwar lehnte er ihr Angebot ab, für die Fechtweltmeisterschaft in China Chinesisch zu lernen, aber der Marktredwitzer will ihr in Deutschland beim Fecht-Weltcup-Turnier zur Hand gehen. Auf die Frage, ob er sein soeben entdecktes Organisationstalent beruflich nutzen möchte, zögert der Abiturient: „Eigentlich will ich ab Herbst in Nürnberg Informatik studieren.“ Die Protokollchefin könne das allerdings gut verstehen: Sie sei selbst Informatikerin.

 

 

Zeitungsartikel geschrieben von Brigitte Gschwendtner.